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Die Jahre 1900 - 1932

Das Deutsche Reich steuerte beim Feuerlöschwesen einen einheitlichen reichsweiten Kurs hin zu der ,,Freiwilligen Feuerwehr“. Erste Bestrebungen im Amt Wittlage scheiterten an den installierten Pflichtwehren, die ihren Bestand in Frage gestellt sahen, und an dem latenten Misstrauen der Amtseinwohner gegen alles Neue. Erst als den Samtgemeinden per Gesetz auferlegt Wurde, jeder ihrer Ortschaften eine eigene Spritze zu beschaffen, außerdem einen Teil der Kosten für die Wehr zu übernehmen, da setzte langsam ein Umdenken ein. Vor allem der damalige Landrat Prinz von Schoenaich-Cearolath, mit seiner exquisit vorgetragenen Rhetorik der neuen Logik ist der Stimmungsumschwung zu verdanken. Er forderte, daß doch alle Ortseinwohner in der Not freiwillig zusammenstehen müssten, um dem Roten Hahn erfolgreich Paroli bieten zu können. Der freiwillige Zusammenschluß der dorfeigenen Männer erfolge doch ausschließlich zum Schutz des Eigentums im Ort. Am 6. November 1902 wurde eine Ortsversammlung unter Vorsitz des Gemeindevorstehers Gerdom im Gasthaus Bröer zwecks Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr anberaumt. Nach dem Verlesen der Statuten für die Freiwillige und Pflichtfeuerwehr wurde die Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr mit 47 gegen 6 Stimmen beschlossen. In geheimer Wahl Wurde der Apotheker Rohdenburg zum Hauptmann gewählt. Die weitere Versammlung am 10. November 1902 wählte Diedrich Grummert zum Leutnant und stellvertretenden Hauptmann. Dem Gastwirt Bröer wurde in Anerkennung seiner siebenundzwanzigjährigen Spritzenführerschaft die Ehrenmitgliedschaft der Freiwilligen Feuerwehr zuerkannt. Der Start der neuen Wehr verlief recht holprig, denn bei der angestrebten einheitlichen Uniformierung und Ausrüstung gab es große finanzielle Probleme. Die Samtgemeinde als Ansprechpartner und Geldgeber hielt den Geldbeutel mit beiden Händen ganz fest geschlossen. Frustriert über diese Knickerigkeit griff man zur Selbsthilfe, damit überhaupt einige Ausrüstungsgegenstände beschafft werden konnten. Die Mitglieder der Wehr mußten folgende Beitrage leisten:

 

Hauptmann 5 Mark, Leutnant 3 Mark, Zugführer 2 Mark, Oberfeuerwehrmann 1,50 Mark und Feuerwehrmänner 1 Mark.

 

Die Kostenübernahme der zu beschaffenden Feuerwehrröcke mußte der Landrat des Kreises Wittlage gegen die Samtgemeinde Lintorf erst mit einer Klage vor dem Oberverwaltungsgericht in Berlin erzwingen. Hiernach wurden die beiden zugezogenen Schneidermeister Helms und Rehmer je zur Hälfte mit der Verfertigung der braunen Drillichröcke für den heutzutage aus einer ganz fremden Welt stammenden Preis von ganzen 85 Pfennigen am 16. April 1904 beauftragt. Mit Sparsamkeit oder purer Schlitzohrigkeit, ganz wie Sie wollen, kam es zu folgender Kostenverteilung:

 

Die Landschaftliche Brandkasse Hannover zahlte 160 Mark, die Samtgemeinde

50 Mark.

 

Ein vernickelter Helmkamm sollte ab jetzt den Lederhelm und vernickelte Knöpfe die Drillichuniformröcke zieren. Am 3. März 1904 wurde anstelle des ausgeschiedenen Leutnants Grummert der Spritzenmeister Bröer zum stellvertretenden Hauptmann, Leutnant und Schriftführer gewählt. Die Konstellation Rohdenburg - Bröer sollte bei der Führung der Lintorfer Wehr über Jahrzehnte hinweg Bestand haben. Aus den vielen Einsätzen in den Jahren sei nur der Großbrand in Lintorf am 2. September 1911 herausgehoben. Er begann mit dem Schadenfeuer im Heuerhaus der Apotheke, dort wo heute Kiparski - Wlömer gebaut haben, vernichtete anschließend durch das Übergreifen das Wohnhaus und die Nebengebäude von Wiebusch und das Wohnhaus und die Stallungen von Grönemeyer. Die Lintorfer und auswärtigen Wehren hatten alle Hände voll zu tun, damit ein weiteres Übergreifen durch das Feuer verhindert wurde. Mit aller Macht drängte kurz vor dem ersten Weltkrieg eine neue Energieform auf den dörflichen Markt, die Elektrizität. Freileitungen zum Bezug von Strom vor allem für Beleuchtungszwecke wurden ab 1913 installiert. Mit dieser neuen Energieform kam auch die Gefahr der Gesundheitsschädigung durch Einwirkung elektrischen Stroms bei Löscheinsätzen. Die niedersächsischen Kraftwerke starteten deshalb ein Unterrichtung der Wehren über die Gefährdung durch Strom. Die Samtgemeinde wurde wieder zur Kasse gebeten, um die Ausrüstung für einen Elektriker, das heißt Steigeisen, Gummihandschuhe, isolierten Gurt, Werkzeug nebst Tasche, für die Wehr zu finanzieren. Das vorausschauende Wort des englischen Premierministers bei Ausbruch des ersten Weltlkrieges: ,,In Europa gehen die Lichter aus!“ ist ganz bittere Wahrheit geworden. Die Mitglieder der Feuerwehr entschwanden in den folgenden Jahren in die Schützengräben der einzelnen Fronten. Immer mehr Gefallene der Wehr mussten beklagt werden. Auch die Wehr zeichnete Kriegsanleihen und bekam als Dienstverpflichtung am 28. Februar 1917 15 Jungmänner aus dem Ort zugeteilt, die intensiv in Übungen unterwiesen wurden. Bei dem Brand des Neubauern Jakoblinnert in Hördinghausen schlug deren große Stunde. Weil keine Pferde als Vorspann für die Spritze zum Brandherd zur Verfügung standen, spannten sich die jungen Männer selber vor und jagten mit schnellen Beinen zur Brandstätte. Trotz der fehlenden ,,Hafermotoren“ war sie die erste auswärtige Spritze am Schadenfeuer. Diese eingeübte Jungmannschaft musste am 26. April 1918 ebenfalls in den mörderischen Krieg, um das bedrohte Vaterland zu retten. Die notierten Daten aus den so notvollen und revolutionären Nachkriegsjahren sind bis auf wenige nicht so ergiebig. Am 23. August 1922 wurde der Kreisfeuerwehrverband des Kreises Wittlage gegründet. Die Inflation 1924 verschlang auf einen Schlag alle Finanzmittel der Wehr, egal ob auf dem Sparkassenkonto oder als Bargeld in der Kasse. Am 24. Februar 1924 wurde der deutsche Geldschein mit dem höchsten Nennwert bis heute ausgegeben und war gültig: eine 100-Billionen-Mark-Note, deren damalige Kaufkraft etwa 20 Dollar entsprach. Das ist eine Eins mit 14 Nullen. Eine aller Geldmittel beraubten Wehr fehlt auf Dauer die Durchschlagskraft. So verfügte die Samtgemeinde, dass die Wehr ab 1925 jährlich einen Pauschalbetrag von 100 Mark, außerdem weitere 5 Mark für jeden Uniformrock, wenn der alte bereits 25 Jahre seinen Dienst getan hätte, erhalten solle. Ein Häppchen an neuer Spritzentechnik wurde den Hauptleuten sämtlicher Wehren aus dem Kreis am 22. November 1926 serviert. Eine Motorspritze zeigte am Burggraben in Wittlage ihre überlegene Wasserförderungstechnik. Die zur Vorführung geladenen Gäste und Hauptleute waren trotz dieses eminenten Vorteils der einhelligen Meinung, dass diese Art Spritzen für unsere Gegend nicht passend waren, da nicht überall genügend Wasser dafür vorhanden wäre. Das 25. Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Lintorf wurde mit vielen Ehrengästen und den Wehren der Samtgemeinde am 13. November 1927 zünftig begangen. Bei dem Brand Drees in Lintorf am 8. ]uli 1929 verbrannte ein ganz altes Relikt zur Alarmierung der Hilfeleistung bei Bränden: die Bauerschaftstrommel. Zwar kam sie früher zu vielen Anlassen zum Einsatz, zum Beispiel: Eröffnung des Lintorfer Marktes, Kirchgang und Beerdigung bei Vereinen, aber auch bei ausgebrochenen Bränden, wo ihr dumpfes ,,Tum, Tum“ mit“dem Signalhorn der Wehr und der angeschlagenen Brandglocke im Kirchturm die Feuerwehrmänner zum Löscheinsatz rief. Drollig fand der Berichterstatter allerdings die Ansprache des Hauptmannes Rohdenburg an die Feuerwehrspitze zum fünfzigjährigen Jubiläum am 10. März 1930. Sicherlich kann man mit diesem Kunstgriff vieles an Kritik nett verpacken, aber schließlich bleibt ein stummes Objekt eine seelenlose Maschine. Die angeschaffte Schlauchtrocknungsanlage sollte erst wegen Differenzen mit Grönemeyer am Haus Spieker angebracht werden, aber schließlich konnte sie doch hinter dem alten Spritzenhaus auf Grönemeyers Grünland installiert werden. Mit dem kleinen gelöschten Schwelbrand in der Kirche vom 6. April 1932 ging eine demokratische Ära innerhalb des Deutschen Reiches und der Lintorfer Feuerwehr langsam zu Ende.